Großer Zapfenstreich

Der Große Zapfenstreich oder „Um was geht es da eigentlich?“

Historisch reichen die Wurzeln des Zapfenstreichs bis in die Entstehungszeit des so genannten Stehenden Heeres ins 17. Jahrhundert zurück. Bereits 1726 wurden die Ursprünge des Rituals schriftlich dokumentiert. „Wenn eine Armee im Felde campiret, und es auf dem Abend anfängt etwas finster zu werden und Tag und Nacht sich scheiden, pflegen alle Tambours, ingleichen auch die Trompeter, vor ihren Regimentern zu erscheinen und sobald die Parole gegeben, auch bey der Artillerie ein Stück-Schuss oder die Losung geschiehet oder in dem Haupt- Quartiere die Retraite geblasen oder geschlagen wird, folgen alle anderen von Regimentern in gehöriger Ordnung denselben nach und marschieren die Tambours von der Infanterie um ihr gantzes Regiment, und schlägt eine jedwede Nation ihren besonderen Zapfenstreich, wie sie dessen gewohnt ist zu thun, ein jeder Regiments- Tambour führet seine unterhabenen Tambours in ihren Reyhen und Gliedern und gehet vor denselben her mit einem Stabe, wie denn solches auch muss observirt werden bey der Reveille und bey der Vergatterung. Wenn nun der Zapfenstreich geschlagen, müssen die Marquentender keine Gäste mehr halten oder setzen, sondern es muss alles nach den Quartieren und Zelten verfügen, und wird in den gemeinen Baraquen von denen Sergeanten und Corporalen Nachsuchung gethan, wer von den Compagnien mangelt.“ (Fleming 1726)

Der Große Zapfenstreich wird von einem Spielmannszug und einem Musikkorps gemeinsam ausgeführt, die von zwei Zügen unter Gewehr und von Fackelträgern begleitet werden. Führer des Großen Zapfenstreiches ist ein Truppenoffizier, der mindestens im Range eines Stabsoffiziers steht und die für den Großen Zapfenstreich angeordneten Kommandos gibt. Die musikalische Leitung obliegt dem Chef des Musikkorps. Der Große Zapfenstreich marschiert unter den Klängen des „Yorckschen Marsches“ auf. Nach dem Einnehmen und Ausrichten der Formation folgt die Meldung an die zu ehrende Persönlichkeit.

Daran schließt sich eine Serenade an, die üblicherweise aus drei Musikstücken besteht. Anschließend lässt der Führer des Großen Zapfenstreiches die Formation stillstehen. Es folgt der Große Zapfenstreich in der nachfolgend dargestellten Spielfolge 1. Locken zum Zapfenstreich (Spielleute) 2. Zapfenstreichmarsch (Spielleute und Musikkorps) 3. Retraite, das sind die drei Posten des Zapfenstreichs der berittenen Truppen (Musikkorps) 4. Zeichen zum Gebet (Spielleute) Beim anschließenden Gebet wird der Helm auf Kommando abgenommen. Beim Gebet erheben sich alle beim „Großen Zapfenstreich“ anwesenden Gäste. Herren nehmen ebenfalls ihre Kopfbedeckung ab. 5. Gebet, üblich „Ich bete an die Macht der Liebe“ von Bortnianski (Spielleute und Musikkorps) Nach dem Gebet das Kommando zum Aufsetzen des Helms 6. Abschlagen nach dem Gebet (Spielleute) 7. Ruf nach dem Gebet (Musikkorps) 8. Seit 1922 endet der Große Zapfenstreich mit der Nationalhymne Der Große Zapfenstreich wird nach dem Spielen der Nationalhymne, bei der sich alle Gäste nach ihrer jeweiligen Landessitte verhalten, durch den kommandierenden Offizier abgemeldet Der Große Zapfenstreich marschiert unter den Klängen des „Zapfenstreichmarsches“ ab. Im Großen Zapfenstreich wurde ein musikalisches Zeremoniell entwickelt, das in seiner Friedlichkeit und im Verzicht auf jede martialische Drohgebärde auffällig ist. Anlass für das Abhalten eines Großen Zapfenstreichs ist der Abschluss eines großen Manövers oder die Ehrung von Persönlichkeiten oder der Abschied von höchsten Führungspersonen. Am 16. Mai 1926 wurde an markanten Standort, inmitten von Kaarst an der Kreuzung Maubisstrasse/Mittelstraße und Friedensstraße/Neusserstraße das Ehrenmal, im Rahmen eines großen Festaktes, enthüllt. Das Ehrenmal hat all die Wirren der Zeit gut überstanden und steht dort noch Heute. Seither treffen sich, an diesem zentralen Ort, alljährlich alle Kaarster Schützen am Schützenfestsonntag nach dem Festgottesdienst. Zu Ehren und Gedenken der Gefallenen der Kriege, der Verstorbenen der Bruderschaft sowie den Opfern von Gewalt wird dort ein Kranz niedergelegt und der Große Zapfenstreich gespielt.

Auch wenn der Ablauf nicht ganz exakt dem offiziellen Zeremoniell entspricht, so sind der Sinn und die Bedeutung für die Schützen eindeutig und klar. Die Achtung der Verstorbenen, die zu Lebzeiten Ihrer nicht unerheblichen Teil geleistet haben und die Ideale und Ziele der Bruderschaft für Glaube, Sitte und Heimat an die nachfolgenden Generationen weitergegeben haben. In der heutigen modernen, gehetzten und permanent sich ändernden Gesellschaft ist es nicht leicht Traditionen zu bewahren und den nächsten Generationen zu vermitteln. Dennoch sind Schützenbruderschaften Tradition die Leben, Bräuche und Werte weitergeben. Bei der Kranzniederlegung und dem Gedenken am Ehrenmal wird, auch für Gäste und Außenstehende, ein ganz kleiner Teil der vielschichtigen Tradition deutlich sichtbar. Alle Schützen, ob jung ob alt, an zentralem Ort, Erinnerung an vergangenem sowohl an Gutes als auch an gemachte Fehler, gemeinsame Besinnung und das Gedenken.

Vielen Dank an Rolf Bömelburg für die Bereitstellung der Texte und Fotos

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